News
Sportminister Joachim Herrmann im Interview beim „Bayerischen Löwen“
Sportminister Joachim Herrmann: „Es ist wichtig, junge Menschen für den Sport zu begeistern.“
Im Rahmen des internationalen U14-Turniers „Bayerischer Löwe“ in Landshut war Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann zu Gast.
Neben dem sportlichen Geschehen auf dem Eis nahm sich der Minister Zeit für ein ausführliches Interview mit Ex-Shorttrackerin Katharina Ulrich und Sportjournalist Marcus Schick.
Im Mittelpunkt des Gesprächs standen unter anderem die Bedeutung des Nachwuchsleistungssports, die Entwicklung des Eishockeys in Bayern sowie die Initiative „Zukunft braucht Eis!“ zur Stärkung der Eissportinfrastruktur im Freistaat.
Das vollständige Interview im Wortlaut:
Joachim Herrmann: Eishockey ist eine tolle Sportart, die zu den guten Traditionen in Bayern gehört und bei der Bayern in Deutschland ziemlich weit vorne dran ist. Als Sportminister freue ich mich sehr, dass der Sport so viele Fans hat. Und dass sich immer mehr junge Menschen so für ihn begeistern. Deshalb kann ich nur sagen: großer Respekt, wie sich der Eishockeysport in den letzten Jahren auch bei uns in Bayern entwickelt hat.
Katharina Ulrich: Was ist ihr persönliches Eiserlebnis, an das Sie immer mal wieder denken und dass Sie vielleicht auch ein bisschen mitgeprägt hat?
Joachim Herrmann: Also, das muss ich erst einmal vorwegschicken: Ich bin selber nie Schlittschuh gelaufen. Das hat sich nicht ergeben. Aber Eisstockschießen hat mir immer schon gefallen – aus Spaß an der Freude mit Kolleginnen und Kollegen ohne größere professionelle Ambitionen. Mit großem Interesse habe ich verfolgt, wie mein 5-jähriger Enkel neulich zum Ersten Mal Schlittschuh gelaufen ist. Vielleicht ergeben sich da ja neue Karrieren.
Marcus Schick: Nachwuchsleistungssport ist die Basis für spätere internationale Erfolge. Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Förderung junger Athletinnen und Athleten für den Sportstandort Bayern?
Joachim Herrmann: Für uns ist wichtig, dass wir die junge Generation für den Sport begeistern, und zwar quer durch alle Sportarten. Darin sehe ich auch die große Leistung des Sports überhaupt, eine wunderbare Jugendarbeit in den vielen Sportvereinen zu leisten. Das ist mit das Beste, was man sich eigentlich an Beschäftigung für die jungen Menschen vorstellen kann. Genauso wichtig sind die großen, international erfolgreichen Spitzensportlerinnen und -sportler, die immer auch ein Stück Motivation bedeuten für junge Leute, ihren Idolen nachzueifern. Die Olympiasieger oder Weltmeister von heute haben ja auch alle mal ganz klein angefangen. Auch sie haben auf ihre Idole geschaut. Das Vorbildhafte gehört zu allen Sportarten. Ich denke daran, wie damals Boris Becker in Wimbledon gewonnen und damit einen nie dagewesenen Tennisboom in Deutschland ausgelöst hat. Oder im Eishockey die Silbermedaille unserer Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang 2018, als Kinder gesagt haben, da will ich aktiv werden und selber trainieren. Letztendlich hängt alles eng miteinander zusammen. Breitensport und Spitzensport bedingen sich gegenseitig. Aus dem Breitensport kommt der Nachwuchs für die Spitze. Das spiegelt sich dann auch in der Förderung wider: Für den Spitzensport ist der Bund zuständig, für den Breitensport die Länder und Kommunen. Auch wenn die Zuständigkeiten getrennt sind, hängt alles eng miteinander zusammen.
Joachim Herrmann: Das Projekt „Zukunft braucht Eis!“ ist eine ganz tolle Idee und ein gutes Konzept. Eissport braucht im Breiten- und Leistungssport anspruchsvolle Hallen mit entsprechender, moderner technischer Ausstattung. Das ist nicht nur mal so nebenbei zu leisten. Im Zusammenwirken von Bund, Land und den Kommunen wollen wir weiterhin dafür sorgen, dass wir für den Eissport in Bayern die richtigen Hallen haben und weiter in eine nachhaltige Infrastruktur investiert wird.
Joachim Herrmann: Ich freue mich riesig, wenn sich junge Menschen so engagieren, viel Zeitfür ihren Sport aufbringen und sehr viel trainieren. In einen hochklassigen Wettbewerb wie den Bayerischen Löwen kommt man nur rein mit viel Einsatz und eifrigem Training. Dazu braucht es eine gute Jugendarbeit und in der Tat Elternhäuser, die das alle mittragen, viel Fahrerei auf sich nehmen und ihren Alltag entsprechend organisieren. Das gilt ja nicht nur für den Eishockeysport, sondern auch für andere Sportarten genauso. Das ist eine große Anstrengung, manchmal auch Belastung. Aber wenn man erfolgreich ist, verbindet sich damit als Lohn natürlich auch ein wirklich großartiges Erlebnis. In den Diskussionen über die Bundesjugendspiele wurde zuletzt von einigen Pädagogen das Leistungsprinzip in Frage gestellt, weil eine Niederlage angeblich die Psyche junger Menschen überfordert. Ich finde, dass das Turnier hier ein sehr guter Beleg dafür ist, dass junge Menschen Wettbewerb können und auch wollen. Es ist ganz oft der Sport, der auf das Leben vorbereitet. Man hat eben nicht nur Erfolge, es gibt auch Niederlagen und Rückschläge. Da ist es umso wichtiger, motiviert zu sein und sich anzustrengen, um manchmalauch über sich selbst hinauswachsen zu können und Leistungen zu erreichen, die man sich selber vorher nicht zugetraut hat. Da ist es wichtig, die innere Einstellung zu haben, dass wer hingefallen ist, eben auch wieder aufsteht und dass es weitergeht – vielleicht sogar ein bisschen besser als zuvor. Und genau das wünsche ich den jungen Leuten, dass sie genau mit dieser Einstellung weiter in ihrem Sport vorankommen, aber insgesamt auch durchs Leben gehen.
Joachim Herrmann: Diese Werte sind von großer Bedeutung nicht nur für den Sport, sondernfür die gesamte Gesellschaft. Das ist mit ein wesentlicher Grund, warum der Freistaat so viel Geld für die Sportförderung ausgibt. Im Sport geht es um mehr als Erfolge, Gesundheit und Fitness. Im Sport lernen junge Leute ganz selbstverständlich ein wertebasiertes Miteinander. Als Innenminister ist mir wichtig ist, dass es Spielregeln gibt, an die sich alle halten müssen, und dass es Strafen gibt, wenn gegen Regeln verstoßen wird. Das gilt in Staat und Gesellschaft genauso wie auf der Eishockeyfläche wie im Fußballstadion oder wo auch immer im Spiel- und Sportbetrieb. Im Zusammenhang mit Fairness und Teamgeist in der eigenen Mannschaft kommt es nicht nur auf einen selbst allein an, sondern eben auch das respektvolle Zusammenwirken mit anderen. Im Sport lernen dies die jungen Leute ganz selbstverständlich. Da ist es kein Widerspruch, dass es im Wettkampf auch mal hart zur Sache geht. Unerbittliche Gegner beim Kampf um die Medaillen bei Olympia sind oft später für Jahrzehnte gute Freunde geworden. Überall in unserem Land, in Sportvereinen, Mannschaften und Trainingsgruppen entstehen jedes Jahr neue Freundschaften, vielfach auch fürs Leben. Das ist auch ein sehr positives Zeichen für die Gesellschaft und unseren inneren Zusammenhalt.
Katharina Ulrich: Wenn Sie in die Zukunft des Eissports in Bayern schauen: Was wünschen Sie sich für die Eissportinfrastruktur im Freistaat und die nächste Generation junger Athletinnen und Athleten?
Joachim Herrmann: Bayern ist ein Wintersportland. Wir sind mit unseren Eisflächen seit jeher gut aufgestellt. Und das wollen wir auf jeden Fall auch bleiben und investieren in die entsprechenden Sportstätten. Das kostet Geld, keine Frage. Aber wenn wir das gemeinsam mit dem Bund und den Kommunen richtig auf den Weg bringen, werden wir weiter für eine moderne Ausstattung der Anlagen sorgen. Wenn man sieht, dass in Bayern Eishockey beim Nachwuchs boomt und der Wettkampfbetrieb um 20 Prozent gesteigert wurde, wird klar, dass dies lohnende Investitionen sind.
Katharina Ulrich: Wenn Ihre Enkelkinder Sie heute fragen würden, welchen Eissport Sie für sie am besten fänden: Was wäre Ihre ganz persönliche Empfehlung für einen sportlichen Weg auf Kufen?
Joachim Herrmann: Als Großvater bin ich mit klugen Ratschlägen eher vorsichtig. Die Kleinen merken schon selber, was ihnen Spaß macht. Aber auf jeden Fall werde ich bestimmt nichts dagegen haben, wenn sich jemand zum Beispiel für Eishockey begeistern sollte.
Herr Minister, vielen Dank für das Gespräch.