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BEV Heroes: Marco Sturm über die Zukunft des Eissports – warum Eisflächen mehr sind als nur Sportstätten

Wenn Marco Sturm über Eishockey spricht, spricht er über mehr als Tore und Titel. Für den ehemaligen NHL-Profi aus Dingolfing, früheren Bundestrainer und heutigen Cheftrainer der Boston Bruins beginnt jede Karriere an einem viel unscheinbareren Ort: auf einer Eisfläche irgendwo in Bayern.

„Eissport ist Leben – von den ersten Schritten auf Schlittschuhen bis zu den großen Triumphen bei nationalen und internationalen Meisterschaften oder sogar olympischen Medaillen“, sagt Sturm. Für ihn ist klar, dass hinter jedem Erfolg eine Voraussetzung steht: Zugang zu Eis. „Es braucht Eishallen und Eiszeiten, damit solche Träume wahr werden können.“

Diese Worte treffen einen Nerv. Denn Eissport gehört in Bayern zur kulturellen Identität – fast so selbstverständlich wie Berge, Tracht oder Volksfeste. Ob beim öffentlichen Lauf in der örtlichen Eishalle, im Training eines Nachwuchsteams oder auf internationaler Bühne bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen: Der Weg beginnt fast immer auf bayerischem Eis.

Seit über 100 Jahren begleitet der Bayerische Eissport-Verband diese Entwicklung. Gegründet 1925, steht der Verband für eine Tradition, die Generationen geprägt hat – von Olympiasiegerinnen wie Anni Friesinger bis zu internationalen Eishockeyprofis wie Marco Sturm selbst. Hinter diesen Namen steht jedoch ein viel größeres Fundament: über 1.500 Vereine mit mehr als 114.000 Mitgliedern bilden das Rückgrat des bayerischen Eissports.

Hier entstehen nicht nur sportliche Karrieren. Vereine sind soziale Treffpunkte, Orte des Ehrenamts und Räume, in denen Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und mit Niederlagen umzugehen. Gerade im Eissport sind diese Werte besonders sichtbar – weil Training, Wettkampf und Gemeinschaft eng miteinander verbunden sind.

Doch diese Struktur ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Eissporthallen in Bayern sind in die Jahre gekommen, Betriebskosten steigen und die Nachfrage nach Eiszeiten wächst. Für Vereine bedeutet das oft: mehr Kinder, mehr Begeisterung – aber zu wenig Eis.

Marco Sturm sieht darin eine zentrale Herausforderung für die Zukunft des Sports. „Lasst es uns ermöglichen, dass Kinder auch in Zukunft ihren Idolen nacheifern und zu eigenständigen Persönlichkeiten und Teamplayern werden können“, sagt er. Denn ohne Eiszeiten fehlt nicht nur Trainingszeit – es fehlen auch Begegnungsorte, Lernräume und Perspektiven.

Dabei erfüllen Eishallen eine viel größere Rolle als die einer klassischen Sportstätte. Sie sind Treffpunkte für Familien, Trainingsort für Vereine, Lernraum für Schulen und oft einer der aktivsten Orte einer ganzen Kommune. Besonders im Winter, wenn viele Sportangebote draußen ruhen, werden sie zu Zentren der Bewegung und des gesellschaftlichen Lebens.

Genau hier setzt das Projekt „Zukunft braucht Eis!“ des Bayerischen Eissport-Verbandes an. Ziel ist es, Eissportanlagen zu sichern, zu modernisieren und langfristig zukunftsfähig zu machen – damit Vereine, Schulen und Nachwuchsathleten weiterhin Zugang zu Eis haben.

Für Marco Sturm ist der Zusammenhang eindeutig: „Investitionen in unsere Eishallen sind immer auch Investitionen in unsere eigene Zukunft.“

Seine Worte erinnern daran, was hinter den großen Momenten des Sports steht. Jede olympische Medaille, jeder internationale Titel und jede Profikarriere beginnt mit einem Kind, das zum ersten Mal Schlittschuhe schnürt – auf einer Eisfläche, die dafür überhaupt erst die Möglichkeit schafft.

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